Weitere Verschärfung der Chlorat- und Perchlorat-Grenzwerte in Lebensmitteln erfordert Maßnahmen
Chlorat und Perchlorat sind gesundheitsschädlicher als zunächst angenommen. Das Gesamtrisiko dieser und anderer endokriner Substanzen für die Gesundheit ist noch nicht vollständig geklärt. Deshalb wurden die gesetzlichen Grenzwerte für diese Stoffe in den letzten Jahren verschärft, und eine weitere Verschärfung ist in Kürze zu erwarten. Als Lebensmittelhersteller ist es wichtig, proaktiv auf diese Entwicklungen zu reagieren. Welche Verbesserungen sind möglich, um die Chlorat- und Perchloratwerte zu senken? In diesem Wissensartikel gehen wir näher auf diese wichtige Entwicklung ein.
Partner für LebensmittelSchnell zu:
- Was sind Chlorat und Perchlorat und woher kommen sie?
- Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion und gesundheitliche Risiken
- Gesetzesänderungen
- & Einsatz Technischer Hilfsmittel, Zusatzstoffe so wie Reinigung und desinfektion zur Reduzierung
- Lieferung von ultraniedrigem Kaliumhydroxid und Natriumhydroxid durch In2Food
Was sind Chlorat und Perchlorat und woher kommen sie?
Chlorat und Perchlorat sind chemische Verbindungen, die Sauerstoff und Chlor enthalten. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der an jedes Chloratom gebundenen Sauerstoffatome: Chlorat hat drei Sauerstoffatome (ClO3), Perchlorat vier (ClO4). Sie kommen natürlich in der Umwelt vor, beispielsweise durch Blitzeinschläge oder Vulkanausbrüche, und entstehen durch menschliche Aktivitäten wie den Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden, Bleichmitteln, Desinfektionsmitteln und Flugzeugtreibstoffen. Chlorat und Perchlorat gelangen so in Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft und damit auch in die Nahrungskette, beispielsweise in Milch, Gemüse, Obst, Nüsse und Trinkwasser.
Chlorat und Perchlorat sind daher allgegenwärtig. Diese Stoffe nehmen wir nicht nur über die Nahrung auf, sondern auch über unsere Umwelt. Dadurch akkumulieren sich die Chlorat- und Perchloratkonzentrationen – der sogenannte „Stacking-Effekt“.
Stapeleffekt in Babymilchpulver
In Babymilchpulver können sich Chlorat- und Perchloratwerte aus verschiedenen Rohstoffen anreichern:
+ Chlorat und Perchlorat in Milch
+ Chlorat und Perchlorat in Pflanzenölen
+ Chlorat und Perchlorat in Molke
+ Chlorat und Perchlorat in Fettsäuren
+ Chlorat und Perchlorat in Vitaminen
Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion und Gesundheitsrisiken
Chlorat und Perchlorat sind endokrine Substanzen; sie beeinträchtigen die Funktion der Schilddrüse. Sie können die Jodaufnahme in der Schilddrüse stören. Jod ist ein essentieller Mineralstoff, der für die Produktion von Schilddrüsenhormonen benötigt wird, die wiederum den Stoffwechsel, das Wachstum und die Entwicklung des Nervensystems regulieren. Jodmangel kann zu einer vergrößerten Schilddrüse, verminderter Schilddrüsenfunktion, verzögertem Wachstum und, insbesondere bei Säuglingen und Kindern, zu verminderter Intelligenz führen.
Die Gesundheitsrisiken von Chlorat und Perchlorat hängen von der Menge und Dauer der Exposition, der Jodaufnahme und der Empfindlichkeit der Person ab. Neben Chlorat und Perchlorat gibt es auch weitere endokrine Substanzen, die die Schilddrüse beeinflussen: Nitrat und Thiocyanat. Derzeit ist das Wissen über die kombinierten Auswirkungen dieser Substanzen auf die menschliche Gesundheit unzureichend. Die Folgen werden kontinuierlich erforscht, was zu einer weiteren Verschärfung der Expositionsgrenzwerte führen wird.
Gefährdete Zielgruppen
Manche Menschen sind besonders anfällig für die negativen Auswirkungen von Chlorat und Perchlorat, da sie einen höheren Jodbedarf und/oder eine geringere Jodaufnahme haben. Dazu gehören Schwangere, Stillende, Säuglinge, Babys, Kleinkinder, Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, Menschen mit Jodmangel, Vegetarier und Veganer. Für diese Gruppen ist es wichtig, ausreichend jodreiche Lebensmittel wie Seefisch, Algen, Eier, Milchprodukte und Jodsalz zu sich zu nehmen.
Für Säuglinge ist Milchpulver, das Chlorat und Perchlorat enthält, (möglicherweise) die einzige Nahrungsquelle. Säuglinge sind in den kritischen Entwicklungsphasen diesen Stoffen ausgesetzt und können Schadstoffe möglicherweise noch nicht richtig verarbeiten. Darüber hinaus verfügen Kleinkinder mit leichtem bis mittelschwerem Jodmangel über einen schwächeren körpereigenen Ausscheidungsmechanismus. Daher ist es wichtig, die Aufnahme von Chlorat und Perchlorat so weit wie möglich zu begrenzen, was durch zunehmend strengere Gesetze und Vorschriften unterstützt wird.
Gesetzesänderungen
Um Verbraucher vor den potenziell schädlichen Auswirkungen von Chlorat und Perchlorat zu schützen, hat die Europäische Kommission die Gesetzgebung zur Festlegung der Höchstmengen dieser Stoffe in Lebensmitteln in den Jahren 2020 und 2023 verschärft. Diese Gesetzgebung basiert auf den wissenschaftlichen Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie betrifft Hunderte von Lebensmitteln natürlichen Ursprungs. Eine Übersicht dieser Produkte finden Sie in den europäischen Verordnungen:
Sehen Sie sich die europäische Verordnung für Chlorat an
Sehen Sie sich die europäische Verordnung für Perchlorat an
Neue Grenzwerte
Die aktuellen Grenzwerte (festgelegt im Juni 2020) für Chlorat werden gemäß der aktuellen Verordnung bis Juni 2025 weiter verschärft. Aufgrund aktueller Forschung und neuer Erkenntnisse ist zu erwarten, dass auch die Grenzwerte für Perchlorat weiter verschärft werden. Die oben genannten europäischen Verordnungen zeigen die aktuellen Grenzwerte pro Produktkategorie.
Die Gesetzgebung verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, den Gehalt an Chlorat und Perchlorat in Lebensmitteln zu überwachen und zu melden. Messungen von Unternehmen und staatliche Kontrollen zeigen, dass in den Niederlanden die aktuellen Grenzwerte in verschiedenen Produkten weiterhin regelmäßig überschritten werden. Dies, obwohl die Grenzwerte in naher Zukunft deutlich verschärft werden.
Einsatz technischer Hilfsmittel, Zusatzstoffe sowie Reinigung und Desinfektion zur Reduzierung der Chlorat- und Perchloratwerte
Wie bereits erwähnt, sind Chlorat und Perchlorat allgegenwärtig. Daher ist es wichtig zu prüfen, welche Schritte im Herstellungsprozess von Lebensmitteln den Chlorat- und Perchloratgehalt beeinflussen können. Gras, Tierfutter und andere Rohstoffe enthalten Chlorat und Perchlorat und können nicht direkt beeinflusst werden.
Irland als Beispiel
Irland ist ein gutes Beispiel für ein Land, das gezielt auf die beeinflussbaren Komponenten achtet. Der Handlungsbedarf ist groß, da Irland verschiedene internationale Kunden innerhalb und außerhalb Europas beliefert. Diese Kunden verlangen, dass die Inhaltsstoffe den festgelegten Werten entsprechen.
Die irische Regierung und die irische Industrie haben Untersuchungen und Analysen der Milchproduktströme eingeleitet. Chlorat wurde in verschiedenen Lebensmittelgruppen nachgewiesen, darunter auch in Milchprodukten wie Milch, Joghurt und Molke. Es wurde festgestellt, dass Chlorat über folgende Wege in die Milchproduktions- und -verarbeitungskette gelangt:
- Natürliche Ressourcen
- Technische Hilfsmittel und Zusatzstoffe
- Chlorhaltige Reinigungs- und Desinfektionsmittel
- Verwendung von chloriertem Wasser
Daher ist in Irland seit Januar 2021 die Verwendung chlorhaltiger Reinigungs- und Desinfektionsmittel in landwirtschaftlichen Betrieben und Verarbeitungsbetrieben verboten, um den Chlorat- und Perchloratgehalt in Milchprodukten zu senken. Zusätzlich werden nun technische Hilfsmittel und Zusatzstoffe mit niedrigem Chlorat- und Perchloratgehalt eingesetzt. Chlorat- und Perchloratrückstände sind zwar weiterhin in Lebensmitteln vorhanden, die Konzentrationen liegen jedoch deutlich unter den geltenden Grenzwerten.
Durch den Einsatz der richtigen Substanzen kann die Bildung von Chlorat und Perchlorat begrenzt werden. Darüber hinaus können alternative Reinigungs- und Desinfektionsmethoden dazu beitragen, die Anreicherung dieser Stoffe zu verhindern, ohne die Hygiene und Lebensmittelsicherheit zu beeinträchtigen. Dies ist nicht nur für die Einhaltung der neuen Grenzwerte unerlässlich, sondern auch, um auf eine weitere Verschärfung der Chlorat- und Perchlorat-Grenzwerte vorbereitet zu sein.
Die Rolle von Verarbeitungshilfsstoffen und Zusatzstoffen
Verarbeitungshilfsstoffe dienen der Verbesserung der Qualität, Haltbarkeit oder Sicherheit eines Lebensmittels, sind aber selbst nicht Bestandteil des Endprodukts. Zusatzstoffe sind Stoffe, die einem Lebensmittel zugesetzt werden, um Geschmack, Farbe, Textur oder Konservierung zu beeinflussen. Beide können mit Chlorat und Perchlorat verunreinigt sein und somit in das Lebensmittel gelangen.
Natriumhydroxid und Kaliumhydroxid beispielsweise enthalten einen hohen Chloratgehalt. Natronlauge und Kaliumhydroxid sind Lösungen von Kaliumhydroxid bzw. Natriumhydroxid und werden häufig als Verarbeitungshilfsstoffe zur pH-Kontrolle eingesetzt und weisen einen hohen Chloratgehalt auf. Diese Produkte sind auch mit niedrigem Chloratgehalt erhältlich und können verwendet werden. Natriumhydroxid und Kaliumhydroxid mit extrem niedrigem Chloratgehalt haben den größten Einfluss auf den Chloratgehalt im Endprodukt, wenn sie als Verarbeitungshilfsstoffe eingesetzt werden.
Reduzierung von Chlorat und Perchlorat bei Reinigung und Desinfektion
Obwohl nach dem Reinigungsprozess mit Wasser gespült wird, beeinflusst auch dieser Schritt die Schornsteinwerte. Die Verwendung eines geringen Laugenanteils (1 bis 2 %) im Reinigungsprozess und anschließendes Spülen mit Wasser verringert das Risiko einer Chlorat- und Perchloratbildung.
Bei der Desinfektion können Produkte ohne Natriumhypochlorit und/oder Chlordioxid zur Desinfektion des (Prozess-)Wassers eingesetzt werden, um den Chlorat- und Perchloratgehalt in Lebensmitteln zu begrenzen. Dies ist beispielsweise Peressigsäure.(SynQ Red Des Oxi+) und Wasserstoffperoxid (SynQ Red Des Oxi).
Lieferung von ultra-chloratarmen Kaliumhydroxid- und Natriumhydroxidprodukten durch In2Food
Als Lieferant in den Benelux-Ländern bietet In2Food folgende Produkte mit ultra-chloratarmem Gehalt an:
- Kaliumhydroxid
- Natriumhydroxid
Darüber hinaus ist es möglich, eine individuelle Mischung dieser Produkte zu erstellen, die auf die spezifischen Anforderungen des Kunden zugeschnitten ist. Die Produkte mit ultraniedrigem Chloratgehalt erfüllen höchste Sicherheits- und Qualitätsstandards und eignen sich besonders für Anwendungen, bei denen minimale Chloratrückstände für die Lebensmittelsicherheit und Qualitätssicherung unerlässlich sind.
Die Produkte mit ultraniedrigem Chloratgehalt sind in verschiedenen Verpackungsoptionen wie Dosen, IBCs und Variboxen erhältlich und lassen sich so problemlos in verschiedene Produktionsprozesse integrieren. Jede Lieferung verfügt selbstverständlich über die erforderlichen Spezifikationen und Zertifizierungen, darunter FSSC 22000 und Koscher.
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